Pfarrei, Kirche und Schulwesen

Obwohl Pfahldorf zu den ältesten Ortschaften im Bistum zählt, musste es lange warten, bis es zur Pfarrei erhoben wurde. Als Filiale von Gungolding musste man zufrieden sein mit einer Frühmesse, die von Gungolding aus gehalten wurde.

Sicherlich war es den Pfahldorfern beschwerlich, jeden Sonntag den weiten Weg in die Nachbarortschaft zu gehen. Daher bemühte man sich bald um einen eigenen Frühmesser, der in Pfahldorf wohnte. 1469 genehmigte Bischof Wilhelm von Reichenau einen Frühmesser: allerdings durften dadurch die pfarrlichen Rechte Gungoldings nicht geschmälert werden, was natürlich zu häufigen Streitereien zwischen den zwei Ortschaften führte. 1597 löste der Bischof die Stelle des Frühmessers auf und verpflichtete den Gungoldinger Pfarrer, anstelle einen Kooperator für Pfahldorf zu halten, der im Frühmesshaus in Pfahldorf wohnte. Da die Pfahldorfer nun zwar keinen Pfarrer, wohl aber einen Kaplan hatten, weigerten sie sich, – auch wegen der allgemeinen Not durch die Wirren des 30-jährigen Krieges – den Obst- und Hühnerzehnt an Gungolding zu leisten, was einen gerichtlichen Prozess nach sich zog mit folgendem Urteil: Die Gemeinde wird wegen des Obstzehent nicht weiter belangt, muß aber den ?Hühnerzehent weiterhin leisten, von jeder Brut ein Huhn, wenn deren mindestens sechs, wenn weniger, dann nichts?.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wirkte in Pfahldorf wieder ein Frühmesser: der Pfarrer von Gungolding verpflichtete sich, die Seelsorge in Pfahldorf einem Frühmesser zu überlassen unter der Bedingung, dass dieser als Pfarrer anerkannt wird und die Pfahldorfer die Kirche von Gungolding zweimal im Jahr besuchen.

Am 19. August 1752 schließlich wird die Errichtungsurkunde der Pfarrei durch Bischof Johann Anton von Freyberg ausgestellt und Pfahldorf eine selbständige Pfarrei. Erster Pfarrer war Sebastian Schlupf. Bis heute ist Pfahldorf eine eigenständige Pfarrei. Hirnstetten, Pfarrei Altdorf, wird von Pfahldorf betreut.

Jährlich, am ersten Samstag im Juni wallfahrten die Pfahldorfer nach Sankt Salvator in Bettbrunn . Bereits seit 1675 – wahrscheinlich jedoch schon viel früher – wird berichtet, wurde zusammen mit Gungolding nach Bettbrunn gewallfahrtet; die erste Kerze Pfahldorfs in Bettbrunn stammt gar aus dem Jahr 1413.

Seit der Gründung des Schützenvereins 1952 betreuten folgende Pfarrer bzw. Pfarradministratoren die Ortschaft:

bis 1955: Pfr. Josef Meyer

1955: Pfr. Johann Fink

1955-1958 Pfr. Josef Kornbacher

1958-1978 Pfr. Alois Herrler

1978-1987 Pfr. Georg Härteis

1987-1992 Pfr. Ludwig Schattenhofer

1992-1996 Pfr. Josef Hernoga

1996-1999 Pfr. Mmaju Josef Eke

1999-2008 Pfr. Franz Baumeister

seit 2008 Pfr. Andreas Hanke


Wir wissen nicht, wann die Pfahldorfer die erste Kirche bauten. Wegen des hohen Alters der Ansiedlung kann schon im frühen Mittelalter hier eine kleine Kirche gewesen sein.

In seinen Grundmauern ist der Turm eine mittelalterliche Anlage und stammt wohl aus dem 14. Jahrhundert, die Friedhofsmauer wird auf das 12.Jahrhundert datiert.

Aus dem Jahr 1492 haben wir die Stiftung des Ewigen Lichts, von Stefan Schnitzer, wie am Gedenkstein am Altarraum zu lesen ist. Ursprünglich war es ein Armenseelenlicht für die Friedhofskapelle.

1689 wird der Turm, ?weil er sich gesenkt hatte, mehrenteils abgetragen und neugebaut?. Auch das Langhaus wird renoviert, ebenso der Friedhofsturm. Damals schon bekommt der Turm glasierte Ziegel.

In den Jahren 1760/61 wird das Langhaus der Kirche mit Hilfe des Baumeisters Dominikus Barbieri neu aufgebaut. Auch der Turm wird erneut repariert. Da sich die Dominikaner in Eichstätt, die mit baupflichtig waren, an der Finanzierung der Baukosten nicht beteiligen wollten, wurde kurzerhand ein bestimmter Betrag vom Konto des Klosters beim Bischöflichen Finanzamt zugunsten Pfahldorf abgebucht.

Erst drei Jahrzehnte später, am 14. Oktober 1792 wird die neue Kirche eingeweiht.

Da der Turm immer wieder Schwierigkeiten macht, wird 1832 erneut ein Stück abgetragen und neugebaut, allerdings um 26 Fuß niedriger, was den Einspruch der Gemeinde auslöste; jedoch ohne erfolg, da sich die Gemeinde vom Baulastträger belehren lassen musste, dass ? zweckmäßig, und nicht dem Luxus und der Schönheit entsprechend? gebaut werde.

Das kostbarste Stück der Kirche ist die Statue von Johannes dem Täufer: 1855 schenkt Dompropst Joseph Ernst dem Pfarrer diese Figur, die bis zur Säkularisation 1802 im Kloster Rebdorf war.

Als erster Pfahldorfer Schulmeister wird Simon Müller genannt

(von 1708-1738). Aus eigenen Mitteln baut dieser ein sicherlich recht bescheidenes Haus, das auch als Schulhaus diente. Unterstützt wird Simon Müller von seinem Sohn Peter, der bis zum Tod des Vaters 1773 die Schulstelle innehatte.

1816 bauten die Pfahldorfer ein eigenes Schulhaus.

1963 ? zwischenzeitlich war die Schule beim ? Pfarrschmied? ausgelagert – wurde wiederum ein neues Gebäude errichtet, in welchem die Klassen 1-8 untergebracht waren. Ab 1970 wurden die Klassen 7-9 nach Kipfenberg ausgelagert. Seit 1982 werden in Pfahldorf nur noch die Klassen 1-4 unterrichtet, die Schüler der Klassen 5-9 werden mit dem Bus nach Kipfenberg gebracht.

Nach einer drohenden Auflösung der Schule und des Schulbetriebes in Pfahldorf ist die Schule seit 1995 durch die Einbindung in den Schulsprengel Kipfenberg Teil der Kipfenberger Schule.

Seit 1996 hat Pfahldorf auch einen eigenen, neuerbauten Kindergarten ?Zur Heiligen Familie?. 1997 wurde eine zweite Gruppe eröffnet. Zur Zeit werden 47 Kinder betreut. Der Kindergarten steht unter der Trägerschaft der Katholischen Kirchenstiftung Pfahldorf .

Besonders stolz sind die Pfahldorfer- neben ?ihrem? Altlandrat Konrad Regler, der die Geschicke des Landkreises von 1971 – 1996 lenkte- auf ihr berühmte­stes Pfarrkind, Michael Heiß, dem späteren Erzbischof von Milwaukee, USA.

Michael Heiß entstammte aus dem jetzigen Anwesen der Familie Benzinger; er wurde 1818 geboren und ging 1842 in die Mission in die USA. Aufgrund seiner Weit­sicht und seiner Verdienste wurde er 1868 Bischof der Diözese La Crosse, und 1882 Erzbischof von Milwaukee. Am 26. März 1890 verstarb er und ist dort begraben.

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